Fluggastrechte – Probleme mit dem Gepäck

Haben Sie schon einmal am Flughafen auf Ihr Gepäck gewartet, das sich erheblich verspätet hat, den Bestimmungsort nicht erreicht hat oder beschädigt angekommen ist? In solchen Situationen werden Ihre Rechte unter anderem durch das Montrealer Übereinkommen von 1999 geregelt. Bitte informieren Sie sich darüber in unserem Bereich über Fluggastrechte.

Welche Rechte hat ein Fluggast im Falle eines Problems mit dem Gepäck?

Probleme mit dem Gepäck sind ein Alptraum für viele Flugpassagiere. Beschädigungen, Verspätungen oder, noch schlimmer, der Verlust von sorgsam verpackten Dingen kann Ihre Reise beträchtlich behindern.  Man darf nicht vergessen, dass man, wenn man sein Gepäck der Fluggesellschaft anvertraut, bestimmte Rechte hat.

Sie haben einen Anspruch auf Entschädigung für Beschädigung, Verspätung oder Verlust Ihres Gepäcks.

Wann haben Sie eine Anspruch auf Entschädigung für Beschädigung oder Verlust Ihres Gepäcks?

Zunächst, wenn Sie die Situation dem Fundbüro (sog. Lost & Found) am Flughafen durch Ausfüllen eines PIR (Property Irregularity Report) melden. Dann sollten Sie eine Beschwerde bei der Fluggesellschaft einreichen.

Die Fristen für die Einreichung einer Beschwerde sind sehr kurz, deshalb sollten Sie möglichst schnell handeln:

  • Zerstörung oder Beschädigung Ihres Gepäcks muss innerhalb von 7 Tagen nach Meldung der Situation am Flughafen angezeigt werden,
  • Verspätung des Gepäcks – innerhalb von 21 Tagen ab dem Tag, an dem Sie Ihr Gepäck aufgegeben haben.

Erstattung angemessener Kosten bei Problemen mit dem Gepäck.

Wenn sich Ihr Gepäck verspätet, haben Sie das Recht auf Erstattung der Kosten für Dinge, die Sie während des Wartens gekauft haben (Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel). Denken Sie daran, alle Quittungen aufzubewahren! Darüber hinaus muss die Fluggesellschaft Ihr Gepäck auch an den von Ihnen angegebenen Ort bringen. Wenn Sie sich dazu entschließen, das Gepäck persönlich am Flughafen abzuholen, muss die Fluggesellschaft die Transportkosten übernehmen.

Sie sollten außerdem prüfen, ob Ihr verspätetes Gepäck nicht beschädigt ist. In diesem Fall müssen Sie bei der Abholung Ihres Gepäcks darauf achten, dass Sie eine ordnungsgemäße schriftliche Bestätigung vom Zusteller oder der Gepäckabfertigung erhalten, je nachdem, wie das Gepäck übergeben wird.

Im Falle einer Verspätung sowie des Verlustes Ihres Gepäcks ist es außerdem empfehlenswert, bei der Fluggesellschaft die Zahlung eines Taggeldes für den Kauf aller Bedarfsartikel zu beantragen (eine solche Möglichkeit kann in der Geschäftsordnung der Fluggesellschaft enthalten sein, ist aber keine Vorschrift, deshalb sollten Sie dies vorher überprüfen). Dazu gehören z. B. Kleidung oder Hygieneartikel. Wenn Sie sie auf eigene Kosten gekauft haben, haben Sie einen Anspruch auf Rückerstattung – Sie müssen nur die Quittungen einreichen. Sie sollten jedoch beachten, dass Ihnen keine Kosten für Dinge erstattet werden, die nicht notwendig sind, wie z. B. teure Parfüms.

Wie reicht man eine Beschwerde ein?

Die Beschwerde muss schriftlich per Post durch Zusendung von Kopien der Dokumente eingereicht werden (Originaldokumente sollten von Ihnen aufbewahrt werden).

Vergessen Sie nicht, Schadensnachweise beizufügen, wie z. B.: Kopie des PIR-Formulars, Schadensgutachten, Quittungen für Dinge, die im Gepäck waren, oder Rechnungen. Dies ist notwendig, weil der Fluggast nach dem Montrealer Übereinkommen verpflichtet ist, den entstandenen Schaden nachzuweisen. Das bedeutet, dass Sie nachweisen müssen, dass der Kauf von Dingen als Ersatz für die im verspäteten oder verlorenen Gepäck enthaltenen Dinge notwendig war. Wenn Sie eine Beschwerde über die Beschädigung Ihres Koffers einreichen, sollten Sie nicht nur die Quittungen für verlorene Gegenstände im Gepäck, sondern auch den Kaufbeleg des Koffers selbst vorlegen.

Sie müssen zudem bedenken, dass Sie, wenn Sie eine Beschwerde bei einer ausländischen Fluggesellschaft einreichen, eine Sprache verwenden sollten, die sie verstehen können. In einem solchen Fall ist es am besten, die Beschwerde auf Englisch zu verfassen. Eine Beschwerdevorlage kann von der Website eines Europäischen Verbraucherzentrums heruntergeladen werden.

Höhe der Entschädigung

Gemäß den Bestimmungen des Montrealer Übereinkommens, das von den an der Internationalen Konferenz über Luftfahrtrecht teilnehmenden Staaten unterzeichnet wurde, haben Sie das Recht, bei Verlust, Beschädigung oder Verspätung Ihres Gepäcks bei der Fluggesellschaft eine Entschädigung in Höhe von 1.000 SZR[1], d.h. rund 1.200 € einzufordern. In diesem Fall gibt es keine Pauschalbeträge, wie dies bei der Entschädigung für annullierte oder verspätete Flüge und bei Nichtbeförderung der Fall ist, und der angegebene Betrag ist die Obergrenze der Haftung der Fluggesellschaft.

[1] SZR (Sonderziehungsrecht) – internationale Rechnungseinheit, fiktive Tauscheinheit unbarer Natur, die ausschließlich in Form von Buchungen auf Bankeinlagenkonten vorliegt.

Die Höhe der Entschädigung hängt vom Wert Ihres Gepäcks ab – deshalb sollten Sie immer die Quittungen aufbewahren, die seinen Wert belegen. Sie benötigen auch eine PIR, die Sie – wie oben erwähnt – nur am Flughafen erhalten können, und den Gepäckanhänger, der das Gewicht Ihres verlorenen Gepäcks angibt.

Wenn Sie diese Dokumente nicht haben, wird die Fluggesellschaft den Wert Ihres Gepäcks anhand seines Gewichts und nicht seines tatsächlichen Wertes selbst schätzen.

Die Entschädigung muss in Form von Geld ausgezahlt werden.

Verzichten Sie nicht auf Ihre Forderung!

Wenn Sie eine Entschädigung für Probleme mit dem Gepäck erhalten möchten, ist es wichtig, dass Sie sich nicht auf den Erhalt eines Gutscheins für den Kauf neuer Dinge einlassen, denn die Annahme eines Gutscheins beinhaltet einen Verzicht auf die Forderungserklärung.

Verjährungsfrist

Gemäß Artikel 35 des Montrealer Übereinkommens von 1999 beträgt die Verjährungsfrist 2 Jahre.

Pflichten der Fluggesellschaft

Die Haftung der Fluggesellschaft für Beschädigung, Verlust oder Verspätung von Gepäck wird durch die Bestimmungen in Kapitel III des Montrealer Übereinkommens geregelt: Artikel 17(1–2), 19 und 22(1–2).

Es ist außerdem wichtig, die Geschäftsordnung der Fluggesellschaft für die Beförderung von Gepäck sorgfältig durchzulesen, denn Gepäck wie Sportgeräte, Musikinstrumente oder Tiertransporte gelten als eigenständige Gepäckkategorie mit besonderen Merkmalen. Entscheidend ist, wie dieses Gepäck verpackt und eingecheckt werden soll. Wenn Sie z. B. ein Snowboard als aufgegebenes Gepäck mitführen, haben Sie möglicherweise keinen Anspruch auf Entschädigung, da die Beförderung auf eigene Verantwortung erfolgt. Ausführliche Informationen finden Sie auf der Website der Fluggesellschaft, bei der Sie Ihr Ticket kaufen möchten. In solchen Fällen empfiehlt es sich auch, eine Zusatzversicherung abzuschließen.