Fluggastrechte – Nichtbeförderung

Nichtbeförderung klingt ernst. Das bedeutet jedoch nicht, dass Ihre Reise ruiniert ist. Nicht jeder Fluggast weiß, dass er in einer solchen Situation unter anderem Anspruch auf eine Entschädigung hat – sogar bis zu 600 €.

Kennen Sie Ihre Rechte?

Was genau ist Nichtbeförderung?

Eine Nichtbeförderung, für die Sie eine Entschädigung erhalten können, bedeutet, dass die Beförderung des Fluggastes verweigert wird, obwohl er sich am Flugsteig eingefunden hat. Sie tritt in der Regel bei einer übermäßigen Anzahl von Fluggästen (Überbuchung) ein. Das bedeutet, dass im Vergleich zur Anzahl der Plätze im Flugzeug mehr Tickets verkauft wurden; die Fluggesellschaften geben dies jedoch selten zu.

Unter welchen Umständen haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung für Nichtbeförderung?

In erster Linie ist die Grundlage für die Entschädigung für die Nichtbeförderung die rechtzeitige Anwesenheit am Flugsteig gemäß den Anforderungen (z. B. müssen Sie die Buchung ausgeführt haben und beim Check-in anwesend sein) und die Vorlage aller für Ihre Reise erforderlichen Dokumente. Sie haben Anspruch auf Entschädigung, wenn die Fluggesellschaft Sie gegen Ihren Willen als Fluggast auswählt, der nicht in das Flugzeug steigen wird. In einer solchen Situation sollten Sie auf keinen Fall freiwillig zustimmen oder Ihren Flug aufgeben! Dies führt dazu, dass Sie nicht mehr die Ihnen zustehende Entschädigung beantragen können.

Sie haben keinen Anspruch auf Entschädigung, wenn vertretbare Gründe für die Nichtbeförderung vorliegen, insbesondere gesundheitliche oder sicherheitstechnische Gründen, oder wenn Ihre Reisedokumente ungültig sind.

Die Höhe der Entschädigung ist abhängig von der Entfernung des geplanten Flugs.

Der Höchstbetrag der Entschädigung für eine Nichtbeförderung beträgt 600 €.

Bitte beachten Sie jedoch, dass, wenn Ihr verspäteter oder annullierter Flug für eine Entschädigung in Frage kommt, deren Höhe abhängig ist von:

  • der Entfernung:
250 € für Flüge mit einer Entfernung von bis zu 1.500 km,
400 € für alle Flüge über eine Entfernung von über 1.500 km innerhalb der Europäischen Union und für alle anderen Flüge über eine Entfernung von 1.500 km bis 3.500 km,
600 € für alle anderen Flüge über eine Entfernung von über 3.500 km.

Bitte achten Sie auch darauf, welche Fluggesellschaft den Flug ausgeführt hat und in welchem Gebiet:

  • Flugstrecke außerhalb der EU: Fluggesellschaft mit Sitz in der EU und Fluggesellschaft ohne Sitz in der EU – kein Anspruch auf Entschädigung
  • Flugstrecke mit Abflug in einem Land außerhalb des EU-Gebiets und Ankunft in einem Land innerhalb des EU-Gebiets: Fluggesellschaft mit Sitz in der EU – Anspruch auf Entschädigung, und Fluggesellschaft ohne Sitz in der EU – kein Anspruch auf Entschädigung
  • Flugstrecke mit Abflug in einem Land innerhalb des EU-Gebiets und Ankunft in einem Land außerhalb des EU-Gebiets: Fluggesellschaft mit Sitz in der EU und Fluggesellschaft ohne Sitz in der EU – Anspruch auf Entschädigung
  • Flugstrecke innerhalb des Gebiets der EU: Fluggesellschaft mit Sitz in der EU und Fluggesellschaft ohne Sitz in der EU – Anspruch auf Entschädigung

Die gleichen Vorschriften gelten auch für Norwegen, die Schweiz und Island sowie für Flüge, die aus Gebieten starten, die zum Verwaltungsgebiet eines EU-Landes gehören, d.h.: Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique, Réunion, Mayotte, Saint Martin, die Azoren, Madeira und die Kanarischen Inseln oder Flüge zu diesen Orten, die von einer EU-Fluggesellschaft ausgeführt werden. Folgende Gebiete sind keine EU-Mitgliedstaaten: Färöer Inseln, Isle of Man und Kanalinseln.

Wie erhält man eine Entschädigung für eine Nichtbeförderung?

Sie kann auf verschiedene Weise eingereicht werden:

  1. per Einschreiben mit Rückschein an die Fluggesellschaft,
  2. elektronisch an die E-Mail-Adresse der Fluggesellschaft,
  3. über ein Formular, das Sie auf der Website der Fluggesellschaft finden,
  4. oder mit unserer Hilfe – ohne Risiko für den Fall, dass die Beschwerde erfolglos ist.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Einreichung einer Beschwerde nicht immer eine Garantie für die Auszahlung der Entschädigung darstellt. Um eine Haftung zu vermeiden, können die Fluggesellschaften die Auszahlung der Entschädigung zurückhalten, indem sie fälschlicherweise angeben, dass die Nichtbeförderung durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurde. Die Fluggesellschaften können auch eine zu geringe Entschädigung anbieten, obwohl jeder das Recht auf eine vollständige Entschädigung in der Höhe hat, auf die er entsprechend der Flugentfernung Anspruch hat.

Was sollten Sie tun, wenn die Fluggesellschaft Ihre Beschwerde nicht akzeptiert?

Wenn die Fluggesellschaft die Beschwerde ablehnt oder nur teilweise akzeptiert, sollte man als nächsten Schritt eine Beschwerde bei einer für den Abflugort Ihres Fluges zuständigen nationalen Luftfahrtbehörde einreichen. Die Verfahren bei dieser Behörde können bis zu 6 Monate dauern.

Schließlich können Sie auch gerichtlich vorgehen. In diesem Fall kann die durchschnittliche Wartezeit auf eine Entscheidung bezüglich der Flugverspätung sogar bis zu 1 Jahr betragen. Es fallen zusätzliche Kosten an und das Verfahren nimmt viel Zeit in Anspruch.

Wenn Sie Ihre Beschwerden bei uns einreichen, müssen Sie sich um nichts kümmern. Im Namen unserer Kunden erledigen wir alle Formalitäten und streben stets eine erfolgreiche Durchsetzung der vollen Entschädigung an.

Verfahren und Form der Entschädigungszahlung

Um eine Entschädigung für eine Nichtbeförderung zu erhalten, muss man nicht nur die Beschwerde bei der Fluggesellschaft einreichen, sondern sich gegebenenfalls auch an die Nationale Luftfahrtbehörde wenden und dann vor Gericht gehen (Sie können auch direkt vor Gericht gehen, ohne die Luftfahrtbehörde zu kontaktieren), was zeitaufwändiger und mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Das bedeutet, dass es kein festes Verfahren für den Erhalt einer Entschädigung gibt. Es gibt mehrere Möglichkeiten und jede einzelne hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Fluggesellschaft sollte die Entschädigung als Barzahlung leisten. Die Fluggesellschaft kann auch eine andere Form der Entschädigung anbieten, wie z. B. einen Reisegutschein; um diese Art der Entschädigung zu erhalten, müssen Sie jedoch eine schriftliche Einwilligung erteilen, die Sie vom Antrag auf Entschädigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 ausschließt.

Die Entschädigung kann auch um 50% reduziert werden. Dies geschieht, wenn die Fluggesellschaft Ihnen einen Alternativflug anbietet und deren Ankunftszeit die Ankunftszeit des ursprünglich gebuchten Fluges nicht weiter überschreitet als um:

2 Stunden für Flüge mit einer Entfernung von bis zu 1.500 km,
3 Stunden für Flüge mit einer Entfernung von 1.500 bis 3.500 km,
4 Stunden für Flüge mit längeren Entfernungen.

Wenn Sie die Entschädigung nicht allein beantragen wollen, denken Sie daran, dass unsere Experten genau wissen, wie sie mit jeder Fluggesellschaft umgehen müssen und welche Maßnahmen in jedem Fall zu ergreifen sind.

Wann sollten Sie die Beschwerde einreichen?

Die Beschwerde sollte bestenfalls so schnell wie möglich eingereicht werden, da die Verjährungsfristen für Entschädigungsansprüche für eine Nichtbeförderung je nach Land, in dem die Fluggesellschaft registriert ist, unterschiedlich sind und sich auf weniger als ein Jahr belaufen können, z. B. bei in Polen registrierten Fluggesellschaften wie PLL LOT.

Unterlagen, die für die Einreichung der Beschwerde erforderlich sind

Um der Fluggesellschaft nachweisen zu können, dass Sie am Flughafen anwesend waren, dass Sie Anspruch auf Beförderung hatten und dazu bereit waren, sollten Sie bei der Einreichung Ihrer Beschwerde mindestens eines der folgenden Reisedokumente aufbewahren, das Informationen wie die Angaben zum Fluggast, die Flugnummer, das Flugdatum und die Uhrzeit des geplanten Abflugs enthalten muss. Dazu zählen:

  • Buchungsbestätigung,
  • Flugticket,
  • Bordkarte.

Wie lange müssen Sie auf die Entschädigung warten?

Der Zeitpunkt des Erhalts der Entschädigung hängt davon ab, wie schnell die Fluggesellschaft die Beschwerde bearbeitet; sie kann daher nicht genau bestimmt werden. In der Regel dauert es etwa 30 Tage. Nach unserer Erfahrung ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreich bearbeiteten Beschwerde und der Auszahlung der Entschädigung nach Einreichung der Beschwerde bei der Fluggesellschaft jedoch nicht hoch und in der Regel ist ein gerichtliches Vorgehen erforderlich.

Welche sonstigen Rechte hat ein Fluggast im Falle der Nichtbeförderung?

Wenn Ihnen die Beförderung verweigert wird, haben Sie das Recht darauf:

  • Mahlzeiten und Erfrischung.Wenn die Fluggesellschaft nicht für ausreichende Verpflegung und Erfrischungen gesorgt hat, können Sie diese auf eigene Kosten kaufen und die Rückerstattung beantragen.

Erforderlich Dokumente für den Fall, dass die Fluggesellschaft keine Mahlzeiten zur Verfügung gestellt hat und Sie diese selbst gekauft haben: Zahlungsnachweis für Mahlzeiten und Erfrischungen, mit Daten, die der Nichtbeförderung entsprechen.

  • Unterbringung – wenn der alternative Flug, den die Fluggesellschaft Ihnen bereitstellen sollte, auf den nächsten Tag oder noch später verschoben wurde. Wenn keine Unterkunft zur Verfügung gestellt wird, haben Sie das Recht, diese innerhalb einer angemessenen Preisspanne selbst zu bezahlen.

Erforderliche Unterlagen für den Fall, dass die Fluggesellschaft keine Unterkunft bereitgestellt hat und Sie selbst dafür bezahlt haben: Zahlungsbeleg für das Hotel mit den Daten, die dem Zeitraum zwischen der ursprünglich geplanten Abflugzeit und der tatsächlichen Abflugzeit entsprechen,

  • Transport vom Flughafen zur Unterkunft und von der Unterkunft zum Flughafen.Wenn der Transport nicht bereitgestellt wird, haben Sie das Recht, ihn selbst zu bezahlen (z. B. Taxi, Bus, Bahn).

Erforderliche Unterlagen für den Fall, dass die Fluggesellschaft keinen Transport bereitgestellt hat und Sie selbst dafür bezahlt haben: Beleg für die Nutzung von Dienstleistungen wie Taxi, Bahn, etc.

Rückerstattung angemessener Kosten

Der Begriff „angemessene Kosten“ besagt, dass jeder Fluggast Anspruch auf Erstattung der Kosten hat, die er aufgrund der Nichtbeförderung zu tragen hatte und die in der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 aufgeführt sind, d.h.:

  • Anspruch auf Erstattung der von Ihnen getragenen Kosten für das Originalticket, das Sie gekauft haben,
  • Anspruch auf Erstattung der von Ihnen getragenen Kosten für Unterkunft, Transport vom Flughafen zum Hotel und zurück, Mahlzeiten und Erfrischungen.

Gibt es Ausnahmen, aufgrund derer die Fluggesellschaft die Auszahlung der Entschädigung zurückhalten kann?

Ja, gibt es – die Auszahlung der Entschädigung kann verweigert werden, z. B. wenn der Fluggast gegen eine Vorschrift der Fluggesellschaft verstößt und ein Sicherheitsrisiko darstellt, z. B. betrunken ist oder versucht, verbotene oder gefährliche Gegenstände mit an Bord zu nehmen. In diesen Fällen hat der Fluggast keinen Anspruch auf Entschädigung.

Nichtbeförderung für Anschlussflüge – haben Sie Anspruch auf Entschädigung?

Für den Fall, dass der Fluggast einen Flug verpasst, weil ihm die Beförderung des ersten oder zweiten Fluges verweigert wurde, der im Rahmen derselben Buchung durchgeführt wurde, gelten die gleichen Rechte wie oben genannt. Die Fluggesellschaft sollte einen alternativen Flug und angemessene Betreuungsleistungen anbieten. Mehr dazu erfahren Sie im Abschnitt „Welche sonstigen Rechte hat ein Fluggastes im Falle der Nichtbeförderung?“.

Können Sie selbst eine Entschädigung beantragen?

Natürlich können Sie die Entschädigung für die Nichtbeförderung auch selbst beantragen. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass die Fluggesellschaft Ihnen eine gütliche Einigung für die während der Reise aufgetretenen Probleme anbieten kann. Wenn Sie einer solchen Einigung (in schriftlicher Form) zustimmen, können Sie keine Entschädigung mehr beantragen.

Um sicher zu gehen, dass Sie Ihr Recht auf Entschädigung nicht verlieren, nehmen Sie von der Fluggesellschaft keine Angebote an wie:

  • Fluggutscheine,

Stimmen Sie auch keiner Reduzierung des Entschädigungsbetrags zu!

Wichtig!

Angemessene Betreuungsleistungen der Fluggesellschaft während der Reiseunterbrechung schließen Ihren Anspruch auf Entschädigung nicht aus.

Entschädigung bei Nichtbeförderung – Rechtsgrundlage

Die wichtigste Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen sowie zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295/91.

Sie könnte durch verschiedene Urteile des EuGH und der nationalen Gerichte ergänzt werden.

Andere Flüge – was können Sie tun?

Bewahren Sie zunächst Ihre Reiseunterlagen auf und versuchen Sie, sich über die Ursache der Nichtbeförderung zu informieren. Sie haben auch das Recht, die Bereitstellung von Mahlzeiten, Erfrischungen und Unterkunft zu verlangen, wenn Ihr Ersatzflug für den nächsten Tag oder später geplant ist, sowie den Transport vom und zum Flughafen, falls Sie eine Unterkunft erhalten. Wenn Sie alle Kosten selbst übernommen haben, bewahren Sie die Belege oder Rechnungen auf, damit die Fluggesellschaft Ihnen diese erstatten kann.

Wir empfehlen nicht, sich auf Angebote über einen Teilbetrag der Entschädigung einzulassen, da wir glauben, dass jeder die volle Höhe der Entschädigung für eine Flugverspätung oder -annullierung erhalten sollte.